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Chronik für den Jahrgang 2016:

 

 

 

Pressebericht von Jens Potschka in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 11. Juli 2016

Förderverein ist im Museum angekommen

Ausstellungsraum in Windstärke 10 eröffnet

Die "Detmold"
Großer Bahnhof zur Eröffnung der Ausstellung des Fördervereins Schifffahrtsgeschichte Cuxhaven: Viele Besucher strömten am Sonntagvormittag in den neu gestalteten Ausstellungstrakt im Museum Windstärke 10. Fotos: Potschka

CUXHAVEN. Blitzblank geputzt sind sie, die unzähligen Glasvitrinen im bestens ausgeleuchteten neuen Trakt des Museums Windstärke 10. Darunter präsentieren sich viele sehenswerte Modelle von Fischdampfern, Großseglern, Schleppern, Frachtschiffen und Bohrinselversorgern. Allesamt sind sie im neuen Ausstellungsraum in Cuxhavens Fischerei- und Wrackmuseum zu entdecken. Am Ende der ehemaligen Fischpackhalle VII hat der Förderverein Schifffahrtsgeschichte Cuxhaven am Sonntag seinen eigenen Ausstellungsbereich feierlich eröffnet.

„Jetzt sind wir endlich dort angekommen, wo wir hingehören“, freut sich Robert Hinners. Der Vorsitzende des Fördervereins und seine ehrenamtlichen Mitstreiter haben in den zurückliegenden Wochen in vielen Stunden die neue Ausstellung aufgebaut. Wer das vorherige Domizil des Vereins im „Forum Maritim“ kennt, der ahnt, dass die Männer um Hinners einen richtig großen Umzug gestemmt haben. Die neue Ausrichtung der Ausstellung ist den Machern sicherlich nicht ganz leicht gefallen, weil sie mit einer Verkleinerung der Fläche einherging.

Zitat vom Oberbürgermeister Ulrich Getsch

»Sie können allesamt stolz auf Ihre geleistete Arbeit sein. Ich möchte Ihnen für dieses ehrenamtliche Engagement und für Ihre Weitsicht, mit dem Museum Windstärke 10 zusammenzugehen, danken.«

Erlebenswerte Schau

Das Ergebnis – da waren sich die Premierenbesucher am Sonntag einig – kann sich wirklich sehen lassen: Auf ungefähr 160 Quadratmetern Fläche zeigt der Verein neben maritimen Exponaten auch zahlreiche historische Fotografien und Einrichtungsstücke, zum Beispiel vom ehemaligen Fischversandbahnhof. Gemälde von Schiffen und Fotos mit den dazugehörigen Informationen gewähren den Besuchern zudem interessante Einblicke in die ganz eigene Welt der Schifffahrtsgeschichte, mit der die Stadt Cuxhaven eng verbunden ist.
Der Clou der neuen Ausstellung ist die Standleitung zum Schiffsansagedienst auf der Seebäderbrücke. Besucher haben so die Möglichkeit, die aktuellen Schiffbewegungen auf der Elbe zu verfolgen. Ein Großbildschirm und das Programm „Marine Traffic“ machen es möglich, dass jedes an der Alten Liebe vorbeifahrende Schiff im Ausstellungsraum angezeigt und angesagt wird.

Modell eines Rudolf und Christel Oehlmann vor einem Modell des Walfangschiffes „Alice Mandell“, das der Modellbauer im Jahr 2004 gebaut hat
Rudolf und Christel Oehlmann vor einem Modell des Walfangschiffes „Alice Mandell“, das der Modellbauer im Jahr 2004 gebaut hat.

Wissen und Erfahrung

Auf eine weitere Besonderheit der neuen Ausstellung kam Museumsleiterin Jenny Sarrazin in ihrem Grußwort anlässlich der Eröffnung zu sprechen. „Für unsere Besucher freue ich mich besonders darüber, dass der Verein und seine seefahrtskundigen Mitglieder zukünftig mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen in ,Windstärke 10’ präsent sein wollen“, sagte die Museumsleiterin und fügte hinzu: „Viele unserer Besucher kommen aus dem Binnenland erleben zum Teil erstmalig den immerwährenden Rhythmus von Ebbe und Flut, bestaunen die Schiffe im Hafen und draußen auf der Elbe. In unserer ständigen Ausstellung hier im Museum haben wir uns bemüht, diesen Gästen ein wenig Wissen zu maritimen Themen zu vermitteln. Mit dem Engagement des Fördervereins wird jetzt aber ein neues Element dazu kommen: das der persönlichen Ansprache und an vielen Stellen sicherlich auch der eigenen Erfahrung.“

 

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Pressebericht von Thomas Sassen in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 26. Juni 2016

Forum Maritim holt die Elbschifffahrt in Bild und Ton ins Museum

Neu gestaltete Ausstellung des Fördervereins Schifffahrtsgeschichte öffnet zum 10. Juli im Museum „Windstärke 10“/ Standleitung zum Schiffsansagedienst auf der Seebäderbrücke.

Die "Detmold"
Auf rund 160 Quadratmeter Fläche in den ehemaligen Räumen des spanischen Ladens Vieites präsentiert der Förderverein Schifffahrtsgeschichte Cuxhaven seine schönsten Exponate. Die Gestaltung und den Einbau hat der Förderverein in Eigenregie übernommen. Den Raum im Museum „Windstärke 10“ stellt die Stadt mietfrei zur Verfügung. In die Gestaltung haben Robert Hinners (l.) und Robert Schütt (r.) viel Kraft investiert. Fotos: Sassen

CUXHAVEN.Fischdampfer, Schlepper, Bohrinselversorger, Frachtschiffe, Großsegler – alle in Modellformat und unter Glasvitrinen, umgeben Robert Schütt und Robert Hinners seit Wochen. Der ehemalige Ladenraum in der hintersten Ecke des Museums Windstärke 10, in dem Familie Vieites jahrelang spanische Delikatessen verkaufte, ist seit Wochen ihr zweites Zuhause geworden. Ungezählte Stunden haben sie mit dem Aufbau der neuen Ausstellung zugebracht, in der die maritimen Schätze des Fördervereins Schifffahrtsgeschichte künfischdampfer, Schlepper, Bohrinselversorger, Frachtschiffe, Großsegler – alle in Modellformat und unter Glasvitrinen, umgeben Robert Schütt und Robert Hinners seit Wochen. Der ehemalige Ladenraum in der hintersten Ecke des Museums Windstärke 10, in dem Familie Vieites jahrelang spanische Delikatessen verkaufte, ist seit Wochen ihr zweites Zuhause geworden. Ungezählte Stunden haben sie mit dem Aufbau der neuen Ausstellung zugebracht, in der die maritimen Schätze des Fördervereins Schifffahrtsgeschichte künftig einem größeren Publikum gezeigt werden können, als das zuvor im alten Domizil im ehemaligen Fischversandbahnhof, dem Forum Maritim, möglich war.

Zurzeit läuft die Feinabstimmung für die Ausstellung. Dazu gehört auch die passende Ausleuchtung und das Anbringen von Informationstafeln zu den Exponaten. Viel Zeit und Geduld hat Robert Schütt auch in die digitale Übertragung der aktuellen Schiffsbewegungen auf der Elbe via „marine Traffic“ investiert. Jedes an der Alten Liebe vorbeifahrende Schiff wird auf einem großen Wandbildschirm angezeigt. Dazu sind die Ansagen des Schiffsansagedienstes live zu hören. Ein richtig toller Service für die Gäste!

Bis zum 10. Juli soll alles fertig sein. Dann ist eine große Einweihungsfeier mit zahlreichen Gästen geplant. Anschließend wird die Sammlung des Fördervereins Schifffahrtsgeschichte für Museumsbesucher zugänglich sein. „Das ist hoffentlich der letzte Umzug des Vereins“, frotzelt Schütt in Richtung des Vorsitzenden. Tatsächlich hat der Förderverein seit Schließung des Fischereimuseums eine kleine Odyssee hinter sich. Der umfangreiche Sammlungsbestand musste im Frühjahr bereits zum dritten Mal eingepackt und umgelagert werden.

Ein großer Teil kann jetzt auf den 160 Quadratmetern im Museum Windstärke 10 angemessen präsentiert werden. Alle anderen Stücke und der umfangreiche Buchbestand sind von den Mitgliedern in einen separaten Archivteil des städtischen Museums bugsiert worden.

Für die Schifffahrtsgeschichte ihrer Heimatstadt engagieren sich Schütt, Hinners und die anderen Mitstreiter aus der Montagsrunde immer wieder mit großem ehrenamtlichen Einsatz. Das war schon 2002/2003 beim Aufbau des Fischereimuseums so und hat sich bis heute nicht geändert. „Allerdings sind wir nicht jünger geworden“, grinst Schütt und weist damit auf die Grenzen des Ehrenamtes hin.

Dabei hatten die Gründer des Fischereimuseums von Anfang an den Trägerwechsel geplant. Eines Tages sollte das Museum in die Regie der Stadt übergehen. Das war das damalige Ziel. Damit ist der jetzige Umzug nur konsequent und führt zusammen, was thematisch ohnehin zusammengehört

In ein paar Jahren wird auch diese schweißtreibende Aktion Geschichte sein, so wie das, was mit den Ausstellungsstücken in Erinnerung gehalten werden soll, teilweise seit Jahrzehnten Cuxhavener Hafengeschichte ist. Dazu gehört der Aufbau der Cuxhavener Fischdampferflotte, die Arbeit im Fischereihafen und im Fischversandbahnhof, die frühen Jahre der Krabbenfischerei, die Entwicklung der Schleppschifffahrt und einige Erinnerungsstücke an Ewald Otten, den „schwarzen Kaiser von Cuxhaven“ und seine Nachkriegsreederei.

Modell eines Bohrinselversorger
Dieses Modell in der Abteilung Schleppschifffahrt zeigt einen der ersten großen Bohrinselversorger der Reederei Hapag-Lloyd. Es ist eines von zahlreichen wertvollen Schiffsmodellen in der neuen Ausstellung.

Unter Mitgliedern sind immer noch einige Zeitzeugen, die früher selbst im Hafen oder in der Fischerei ihr Geld verdient haben. Sie helfen seit Jahren, die Ausstellung zu vervollständigen und Besuchern das Besondere der maritimen Geschichte Cuxhavens näherzubringen. Mit beachtlichem Erfolg. Diese wichtige Aufgabe wollen die Mitglieder auch weiterhin übernehmen. Einige freuen sich darauf, bald im „Windstärke 10“ als Ansprechpartner zu fungieren, auf Fragen der Besucher Rede und Antwort zu stehen. „Ausgesprochene Führungen werden wir nicht anbieten, das macht die Museumsleitung“, sagt Hinners und ergänzt, „einen Dienstplan werden wir trotzdem aufstellen müssen.“ Beim Aufbau des neuen maritimen Kabinetts ist die kleine Mannschaft zeitweise an ihre Grenzen gestoßen. Zwar waren jederzeit genügend Zeitzeugen bereit, sich inhaltlich in ihrem Fachbereich einzubringen, doch am Ende mussten Abstriche gemacht werden, damit eine Schau aus einem Guss entstehen konnte. „Da gab es auch Verstimmungen“, verrät Hinners. Die Geburtswehen werden aber schnell vergessen sein, sobald das Publikum die neue Ausstellung angenommen hat. Damit ist zu rechnen. Denn das Interesse der Cuxhavener an der Geschichte des Hafens und der Betriebe ist nach wie vor ungebrochen.

as hat sich zuletzt an der Vortragsveranstaltung gezeigt. Werner Jakobeit hatte die Historie der Cuxhavener Beckmannwerft aufgearbeitet und zusammen mit dem letzten technischen Betriebsleiter Günter Kramp vorgestellt. Zu dem Abend im Havenhostel kamen weit über 100 Interessierte. In unserem großen Wochenendporträt stellen wir den jetzt 88-jährigen Werftchef Kramp in der heutigen Ausgabe noch einmal ausführlich vor.

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Pressebericht von Dieter Krokot in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 08. Mai 2016

Cuxhavener Fischdampfer und ihre Besatzungen

Förderverein Schifffahrtsgeschichte bereitet eine umfangreiche Ausstellung für das Museum Windstärke 10 vor.

CUXHAVEN. Fotos von hiesigen Schiffen aus den Sammlungen von Hans Heise, Rüdiger Hülper und Dieter Kokot sollen die Grundlage für eine geplante Ausstellung des Fördervereins Schifffahrtsgeschichte bilden. Nachdem bereits vor etlichen Jahren eine in der Stadtsparkasse über Cuxhavener Kapitäne gezeigt werden, die auf große Resonanz stieß und die Basis für die Gründung des Fischereimuseums bildete, soll nun eine über die Besatzungen folgen. Falls noch weitere Fotos und Unterlagen bei den Cuxhavenern vorhanden sind, sollten sie sich doch beim Förderverein in der Montagsrunde (9.30 Uhr am Montag, Nebeneingang Windstärke 10) oder bei Dieter Kokot (04778-7459) melden. Eine Mitwirkung bei der Identifizierung unbekannter Seeleute auf den Fotos ist gefragt. Zwar liegt der Zeitpunkt der Aufnahmen teilweise 50 Jahre und länger zurück, aber vielleicht erkennt ja jemand seine Verwandten oder Bekannten. Ansprechpartner beim Förderverein ist Helmut Stegemann (04721-37561).

Die "Detmold"
Fischdampfer „Detmold“ (385 BRT.) gehörte zu den Schiffen der nach dem Krieg gebauten, sogenannten Einheitsklasse. Das Foto zeigt das Schiff heimkehrend von einer Fangreise auf der Elbe vor Cuxhaven. Fotos (6): Sammlung Kokot

Heute soll als Beispiel die Besatzung der „Detmold“ mit ihrem Dampfer näher betrachtet werden. Der Dampfer „Detmold“ gehörte zu den ersten nach dem Krieg von den Alliierten erlaubten Neubauten, von denen schließlich 36 Schiffe nach einem Entwurf der Seebeckwerft einheitlich 1948/49 auf verschiedenen deutschen Werften erbaut wurden. Allerdings hatte der Kontrollrat der Besatzungsmächte Auflagen festgelegt, durch die der deutsche Fischdampferbau um 20 Jahre zurückgeworfen wurde: Vermessung nur bis 400 BRT, Dampfantrieb von maximal 600 PS und Kohlenfeuerung. In Fahrt erwiesen sich diese bald als „Einheitsdampfer“ bezeichneten Schiffe jedoch als robust mit sehr guten Seeeigenschaften.

Teilnehmer der Montagsrunde
Die Brücke auf der „Detmold“ mit Steuermann Kurt Schicke. Rechts am Ruder: Matrose Blößl.

Sechs davon fuhren in der Cuxhavener Flotte. Nach Aufhebung der Beschränkungen wurde die Maschine zwecks Erhöhung der Wirtschaftlichkeit später mit einer Abdampfturbine nachgerüstet. Die Leistung stieg dadurch auf 750 PS.

Die „Detmold“ von den Flenderwerken in Lübeck gebaut, gelangte im April 1949 zur Ablieferung an die „Nordsee“ Deutsche Hochseefischerei AG. Der Baupreis betrug 1.057.000 DM. Mit der von den Alliierten vorgeschriebenen Flagge „C“ am Heck statt einer Nationalflagge trat das Schiff mit Kapitän Brehm und 18 Mann Besatzung am 21. April seine erste Fangreise mit dem Ziel Island an.

Schiffsjungen
Gerade aus der Schule und schon an Bord eines
Fischdampfers. Oft begannen die harten Lehrjahre
für die Schiffjungen schon im Alter von 14 Jahren.

Anfangs ist mit der „Detmold“ recht gut gefangen worden. Besonders im Heringsfang wurde das Fassungsvermögen von 3200 Korb oft überschritten. Ab 1959 verschlechterten sich die Heringsfänge in der Nordsee jedoch drastisch. Die „Detmold“ beendete ihre letzte Fangreise mit nur 802 Korb am 27. März 1961 in Cuxhaven. Der Auktionserlös dafür betrug ganze 16.801 DM. Die „Nordsee“ entschloss sich daher, das Schiff außer Dienst zu stellen. Zusammen mit ihren fünf Schwestern und zwei weiteren Schiffen wurde die „Detmold“ nun bis Anfang September 1962 im hintersten Winkel des Alten Fischereihafens aufgelegt.

1962 verschrottet

Ältere Cuxhavener werden sich vielleicht noch an diesen Schiffsfriedhof erinnern. Nachdem der Dampfer am 20. Juli 1962 für 29.500 DM an die Eisen & Metall AG verkauft worden war – der Bund zahlte zusätzlich eine Abwrackprämie von 154.000 DM – trat das Schiff am 4. September 1962 im Schlepp von „Taucher O. Wulf 4“ seine letzte Reise zum Schrottplatz in Bremerhaven an. Wie robust die sogenannten Einheitsschiffe tatsächlich waren, zeigt sich an den ins Ausland verkauften Dampfern, die noch Jahrzehnte in Fahrt waren. Bestes Beispiel ist der 1962 nach Italien verkaufte Bremerhavener Fischdampfer „Carsten Janssen“, der 2016 immer noch vor Westafrika im Einsatz ist.

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a>Pressebericht von Thomas Sassen in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 29. April 2016

Maritime Geschichte hat Suchtpotenzial

Beckmannwerft: 172 Cuxhavener interessierten sich

CUXHAVEN. Die maritime Geschichte unserer Stadt hat nach wie vor Suchtpotenzial. 172 Besucher zählten die Veranstalter beim jüngsten Vortragsabend mit einem Rückblick auf die ehemalige Beckmannwerft, die bis 1982 auf dem heutigen WSA-Gelände existierte, in direkter Nachbarschaft zum Haus Continental. Die Gäste waren begeistert.

Mit der Themenauswahl trifft der Förderverein Schifffahrtsgeschichte immer wieder den Geschmack des Publikums. Ein absoluter Glücksfall. Der stellvertretende Vorsitzende Werner Jakobeit hatte mit Günter Kramp einen Zeitzeugen als Referenten gewinnen können, der die Beckmannwerft bis zum Ende 1981 geleitet hatte.

Teilnehmer der Montagsrunde
Günter Kramp (88) war der letzte technische Leiter der Beckmannwerft, Wolfram Lausch (r.) vor 53 Jahren dort erfolgreicher Lehrling. Foto: Sassen

Kramp erzählte lebhaft und begleitet von zahlreichen Fotos und einem kurzen Film, wie auf der Werft gearbeitet wurde und welche Schiffsreparaturen im zum Tagesgeschäft gehörten. Abschließend schilderte er die Gründe, die zur allgemeinen Werftenkrise führten und die nach einem Jahrzehnt unter der Flagge der Schichau Unterweser AG aus Bremerhaven schließlich zur Abwicklung des viele Jahre sehr erfolgreichen Werftbetriebes mit bis zu 350 Mitarbeitern führten.

Die Mützelfeldtwerft kaufte das Unternehmen 1981, wickelte den damaligen Standort ab und übernahm einen Teil der Mitarbeiter. Der einst als Anker- und Kettenschmiede Sanftleben und Co. gegründete Reparaturbetrieb konnte die Ende der 1970er-Jahre immer größer werdenden Schiffe auf seinen drei Slips nicht mehr aufnehmen. Bis dahin zählten vor allem die Fischerei, die Marine, die Behörden und die Lotsen zu den regelmäßigen Kunden.

Garniert wurde der lebhafte Vortrag durch eine wunderbare Anekdote: Der MAN-Motorenpapst Wolfram Lausch entschuldigte sich mit einer Flasche Köm bei seinem damaligen Chef, Günter Kramp, für eine Notlüge bezüglich eines angeblichen Betriebsunfalls, die ihn und seine Jugendliebe vor 53 Jahren vor unangenehmen Nachfragen bewahrt hatte. Wunderbar.

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Pressebericht von Thomas Sassen in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 01. April 2016

„Erich war immer unser Leitwolf“

Erich Lancker ist im Alter von 86 Jahren verstorben / Der Krabbenfischer war jahrzehntelang das Aushängeschild seiner Zunft

CUXHAVEN. Hans Bruhns (71) und Werner Hustedt (66) stehen am Kai und schauen mit nachdenklichem Blick auf die Kutter. Was soll aus dem Alten Fischereihafen werden, wenn die Krabbenfischer einer nach dem anderen die Segel streichen? Die traditionelle Tagesfischerei, die sie mit ihren kleinen hölzernen Fahrzeugen betreiben, hat kaum noch eine Zukunft.

Nach dem Kriege lagen noch mindestens 40 der kleinen Kutter im Hafen. Einer war die „Margarethe“ mit der Fischereinummer „Cux 10“ von Erich Lancker, einem, der wie kein anderer die Tradition der Krabbenfischerei verkörperte. 86 Jahre alt ist Lancker geworden. Am 26. März ist er in seiner Heimatstadt Cuxhaven verstorben. Heute um 9 Uhr findet die Trauerfeier in der Friedhofskapelle Brockeswalde statt. Familie, Freunde, Kollegen und Bekannte werden sein Leben noch einmal Revue passieren lassen. Geprägt war es von seinem Beruf, seinem Gemeinschaftssinn und der Liebe zum Hafen. Kein Wunder, denn Lancker wurde in eine Krabbenfischer-Dynastie hineingeboren, die den Berufsstand an der Elbmündung wesentlich mit prägte.

Erich Lancker der Krabbenfischer

Geboren wurde Erich Lancker im Kapitänshaus Meyerstraße 9, gegenüber vom Bahnhof, das sein Opa Julius Lancker aus Finkenwerder bereits 1912 mit seiner Familie vom Hamburger Staat gemietet hatte, nachdem die Familie nach Cuxhaven übergesiedelt war. Im Keller befand sich das Lager der damaligen „Krabbengenossenschaft Kugelbake“, die begann die Fänge der Cuxhavener Fischer zentral zu pulen und zu vermarkten. Der Transport in die Großstädte erfolgte per Bahn, der durch die Nähe zum Bahnhof wesentlich erleichtert wurde. Joachim und Helene Lancker führten den Betrieb in zweiter Generation weiter. So war der Weg von Sohn Erich vorbestimmt, als er im Alter von 14 Jahren die Grundschule (in Ritzebüttel) beendete hatte. Auf dem Kutter „Seestern“ seines Vaters lernte er Fischer, was damals noch kein Lehrberuf war. Es herrschte ein reges Treiben im Kutterhafen, der sich bis 1980 noch am Glüsing-Kai befand. Die Fischerjungs schliefen und lebten auch an Bord.

Erich Lancker war ehrgeizig und wollte weiter. 1950 kaufte er seinen ersten eigenen Kutter „Adler“ und zwei Jahre später die „Margarethe“ und machte sich selbstständig. Mit der Zeit hatte sich der geradlinige Mann mit der klaren plattdeutschen Aussprache am Hafen einen Namen gemacht. Lancker fungierte bald als Sprecher der Krabbenfischer gegenüber dem Hafenamt, wenn es um Erhalt und Ausbau der Liegeplätze oder andere wichtige Fragen ging. Er verstand sich als Bindeglied, förderte den Gemeinsinn unter den Kollegen, die am Fangplatz naturbedingt Konkurrenten waren. 18 Jahre war der streitbare Fischer stellvertretender Vorsitzender in der „Schiffsversicherung auf Gegenseitigkeit von 1912“, der heute Lanckers Sohn Reinhard vorsitzt, der ebenfalls bis vor ein paar Jahren selbstständiger Krabbenfischer war.

Um ihre Interessen mussten die Fischer immer ringen und ihr Ruf in der Öffentlichkeit war nicht der Beste. Das sollte sich durch die „Krabbenfischertage“ ändern, die Erich Lancker 1976 zum ersten Mal in Cuxhaven federführend auf die Beine stellte. Zunächst mit einem stattlichen Erlös für die Lebenshilfe und später zweimal für die Krebshilfe. Einen Scheck über fast 50.000 Mark konnten Lancker und seine Kollegen, zünftig gekleidet im Buscherump, der damaligen Präsidentin Mildred Scheel überreichen – ein prägendes Erlebnis für Lancker. „Er war rebellischer als wir“, sagt Kollege Hustedt anerkennend und meint damit die Demos und den Kampf um den Alten Fischereihafen. Immer stand Lancker in der ersten Reihe und fand klare Worte. „Erich war immer unser Leitwolf“, sagt Fischer Hustedt und blickt traurig Richtung Hafen.

Krabbenkutter im Alten Hafen
In den 1950iger Jahren war noch eine große Flotte von Krabbenkuttern in Cuxhaven beheimatet. Sie lagen damals noch im
Päckchen an der Glüsingpier, wie dieses Foto aus der Sammlung von Reinhard Lancker zeigt. Erst ab 1980 zogen die Fischer in den Alten Fischereihafen um. Foto: Lancker

 

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Pressebericht von Thomas Sassen in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 11. März 2016

Veranstaltungsreihe „Forum Maritim“ nun im Havenhostel

CUXHAVEN. Inzwischen ist der Förderverein Schifffahrtsgeschichte mit seiner Ausstellung voll und ganz im maritimen Museum der Stadt Cuxhaven „Windstärke 10“ angekommen. Ab sofort ist der neue, vom Verein gestaltete Ausstellungsraum vom Museum aus erreichbar. Die Verbindungstür wird in diesen Tagen eingebaut. An der Ausstellungsgestaltung beteiligen sich die hauptamtlichen Museumsmacher ebenso wie bei der Beschaffung von Fördergeldern, freute sich Vereinsvorsitzender Robert Hinners während der Hauptversammlung. Thema der ersten Sonderschau des Vereins wird die Geschichte der Krabbenfischerei in Cuxhaven und an der Wurster Küste sein.

Die Jahresversammlung fand bei sehr guter Beteiligung im Veranstaltungsraum des Havenhostels statt, wohin der Verein künftig auch mit seinen regelmäßigen Veranstaltungen ausweichen wird, weil im Museum kein geeigneter Raum zur Verfügung steht.

Verbunden mit einem Dank für das zurückliegende sehr arbeitsreiche Jahr, bestätigte die Versammlung die neu zu wählenden Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern. Robert Hinners leitet den Verein weiter als Vorsitzender, sein Stellvertreter ist Horst Huthsfeldt, Kassenwartin ist weiter Marion Weinrich, Klaus Gerber Beiratsmitglied und Erich Baumann Vereinssekretär.

Eine ebenfalls sehr wichtige Rolle hat Beiratsmitglied Werner Jakobeit übernommen. Er organisiert die Veranstaltungsreihe „Forum Maritim“, die am 30. März (Beginn 19.30 Uhr) im Havenhostel fortgesetzt wird mit dem Thema „Moderne Küstenfischerei und das MSC-Siegel“. Den Vortrag wird der Geschäftsführer der Kutterfisch-Zentrale Horst Huthsfeldt halten. Dazu zeigt Günther Ennulat seinen neuesten Film „Abgefischt“, eine kritische Betrachtung zur Hochseefischerei vergangener Tage.

Für den 27. April hat Werner Jakobeit einen Abend zur Geschichte der einst bedeutenden Cuxhavener Beckmannwerft in Vorbereitung. Zusammen mit dem letzten technischen Leiter der Werft, die von 1920 bis 1981 am Cuxhavener Schleusenpriel existierte, arbeitet Jakobeit an einer umfangreichen Broschüre zu dem Thema. Günter Kramp ist heute 86 Jahre alt. Er wird den Vortrag halten und über die Arbeit auf der Werft berichten.

Nach einer Sommerpause soll es ab Oktober mit weiteren Film und Vortragsveranstaltungen unter anderem zu den Themen Mützelfeldtwerft, Havariekommando und Lotswesen weitergehen.

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Pressebericht in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 07. März 2016

Auszeichnung für Filmemacher Günther Ennulat

CUXHAVEN. Von Beruf ist er Koch und Seemann, seine Leidenschaft aber gehört dem Filmen, genauer dem maritimen Film. Mit seinen vielen fachkundigen Videos zu den Themen Hochseefischerei, Seebäderschifffahrt, Antarktisexpeditionen, Windjammer und vielem mehr hat sich der Sahlenburger über Cuxhaven hinaus einen Namen gemacht. Mit seinem filmischen Rückblick auf die große Zeit der deutschen Hochseefischerei legte er einen Grundstein für das Fischereimuseum und damit für „Windstärke 10“. Für seine Verdienste um die lokale Schifffahrtsgeschichte verlieh ihm der Vorsitzende des gleichnamigen Vereins, Robert Hinners, im Rahmen der Hauptversammlung vergangenen Freitag den „Silbernen Hering“. Über die Versammlung werden wir noch berichten.

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Pressebericht von Thomas Sassen in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 27. Januar 2016

Forum Maritim ab März im Havenhostel

CUXHAVEN. Der Titel bleibt, das Themenspektrum wird breiter, nur der Veranstaltungsort ändert sich. Die Veranstaltungsreihe „Forum Maritim“ des Fördervereins Schifffahrtsgeschichte Cuxhaven findet ab März 2016 jeweils an einem Mittwoch im Havenhostel statt auf dem Oberdeck im siebten Stock.

Der erste Themenabend am 30. März widmet sich dem MSC-Siegel, der Zertifizierung von Fischprodukten. Es geht dabei um den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Fisch. Der Geschichte der Beckmannwerft in Cuxhaven ist der Vortragsabend am 27. April gewidmet. Günter Kramp (88), der letzte technische Leiter der ehemaligen Werft am Cuxhavener Schleusenpriel, wird über seine aktive Zeit im Schiffbau berichten.

Teilnehmer der Montagsrunde
Die Montagsrunde des Fördervereins Schifffahrtsgeschichte trifft sich jetzt im neuen Vereinsraum, der früher zum spanischen Laden von Familie Vieites gehörte. Foto: Sassen

Havariekommando

Nach einer Sommerpause solle es im Oktober weitergehen mit einem Vortrag über das Havariekommando und das Geschäft der Bergungsschlepper. Vorgesehen für die zweite Jahreshälfte sind außerdem die Themen Cuxhavener Fischauktion (die letzten Auktionatoren) und Schiffbrandbekämpfung. Platz ist im Vortragsraum des Havenhostels für bis zu 200 Gäste. Der Eintritt soll jeweils vier Euro und für Mitglieder zwei Euro kosten.

Im Museum Windstärke 10 haben die Mitglieder des Fördervereins künftig bei Vorlage des Mitgliedsausweises freien Eintritt. Im Gegenzug fördert der Verein das Museum mit der Hälfte der Mitgliedsbeiträge. Derzeit gehören dem Verein 470 Mitglieder an. Auf diese Regelung haben sich Stadt und Verein verständigt, nachdem der Förderverein mit seiner Ausstellung in einem frei gewordenen Raum des Museums eingezogen ist.

Hauptversammlung

Die Ausstellung wird ab April dieses Jahres Bestandteil des Museums. Der Stamm an ehrenamtlichen Mitarbeitern wird sich an der Aufsicht im Museum beteiligen und wird für Fragen der Gäste ansprechbar sein. Eine Kursbestimmung für die Zukunft und ein Rückblick auf das zurückliegende arbeitsreiche Vereinsjahr wird Vorsitzender Robert Hinners bei der Hauptversammlung am 4. März ebenfalls im Havenhostel geben. (red)

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