Förderverein Schifffahrtesgeschichte Cuxhaven e. V.

 

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Chronik für den Jahrgang 2017:

 

Pressebericht von Thomas Sassen in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 09. Juni 2017

Goodbye „Kiel“: Ende einer Fischerei-Ära

Ältestes in Fahrt befindliches Fabrikschiff Europas seit Freitag auf Überführungsfahrt nach Portugal

CUXHAVEN. Ein letztes „dreimal Lang“ aus dem Schiffstyphon, ein Blick zurück auf die Alte Liebe, dann steuerte der isländische Kapitän Stefan Thorisson das Fangfabrikschiff „Kiel“ am Donnerstag gegen 23 Uhr zum voraussichtlich letzten Mal aus dem Cuxhavener Hafen. Der letzte verbliebene Trawler aus der großen Zeit der deutschen Hochseefischerei ist nach Portugal verkauft. Bei der Deutschen Fischfang Union (DFFU) endet damit die Ära der „großen Bullen“.

44 Jahre ist das Fabrikschiff fast ununterbrochen in Nordsee und Nordatlantik unter härtesten Bedingungen im Einsatz gewesen. Kein anderes europäisches Fischereischiff hat ein vergleichbares Alter erreicht. Immer wieder hatten die Reedereien Nordsee und Deutsche Fischfang Union, zuletzt unter Leitung von Haraldur Gretarsson vom Mutterkonzern Samherji in die Modernisierung des Schiffes investiert. Mit Erfolg. Auch nach fast einem halben Jahrhundert ist die „Kiel“ technisch noch gut in Schuss und damit kein Fall für den Schneidbrenner. Vielmehr konnte das 92 Meter lange Schiff nach Portugal verkauft werden, wo es weiter in der Fischerei eingesetzt werden soll. Mit einem Teil der Stammbesatzung von 12 Mann hat sich die „Kiel“ vergangene Nacht auf die Reise nach Vigo in Spanien gemacht. Dort soll der Cuxhavener Trawler mit der Fischereinummer NC 105 ins portugiesische Schiffsregister umgeflaggt werden. Als Ersatz kommen im Herbst zwei große Neubauten, die „Cuxhaven“ und die „Berlin“, von denen das erste Schiff Ende Juni in Norwegen auf Probefahrt geht.

Das Hochseefangfabrikschiff „Kiel“ in einem Meer von Netzen.
Kein zweites Fabrikschiff war so lange so erfolgreich im Einsatz wie der Cuxhavener Trawler „Kiel“. Foto: Sassen

 

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Pressebericht von Thomas Sassen in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 27. April 2017

Noch kein Fall für den Schneidbrenner

Fangfabrikschiff „Kiel“ wird nach Portugal verkauft / Bei einem letzten Rundgang Eindrücke und Exponate fürs Museum gesammelt

Klaus Gerber in seiner ehemaligen Kapitänskammer.
Klaus Gerber (74) schaut sich die Kapitänskammer
genau an, die er vor vielen Jahren selbst einmal
belegt hatte.

CUXHAVEN. „Ich habe früher andersherum geschlafen“ schmunzelt der Grodener Klaus Gerber beim Blick in die Kapitänskammer. Jede Menge Erinnerungen an seine aktive Zeit als Steuermann und Kapitän auf dem Fangfabrikschiff „Kiel“ werden bei dem 74-Jährigen wach. Bevor das 44 Jahre alte Schiff demnächst nach Portugal verkauft wird, hatte Uwe Warrings vom Eigentümer DFFU einer Abordnung des Museums Windstärke 10 Gelegenheit zu einer Besichtigung des Schiffsveteranen gegeben.

Mit Filmaufnahmen, Fotos und einigen Exponaten soll die Erinnerung an den dienstältesten Fischfänger Cuxhavens im maritimen Museum wach gehalten werden.

Kein anderes Hochseefischereifahrzeug in europäischen Gewässern ist so lange im Einsatz wie die „Kiel“, meint Warrings. Das Schiff mit dem Fischereikennzeichen NC 105 wurde 1973 bei der Rickmers-Werft in Bremerhaven für die Reederei Nordsee gebaut als eines von sechs Schiffen der sogenannten Städteklasse, benannt nach den Landeshauptstädten. Fast drei Millionen Seemeilen hat der „Bulle“, wie die Fischer das Schiff wegen seiner Größe und Seetüchtigkeit nennen, im Laufe von fast viereinhalb Jahrzehnten zurückgelegt. „Und das überwiegend im Nordatlantik“, ergänzt Wolfgang Gewiese, „unter den härtesten Bedingungen.“ Der heute 74-Jährige aus Nordholz war 27 Jahre Kapitän auf der „Kiel“. Gerber war damals sein Mitarbeiter, stand eine Zeit mit auf der Brücke.

Die isländischen Eigentümer haben immer wieder in Umbau und Modernisierung des Schiffes investiert. Auch in die Überholung der beiden MAK-Antriebsmaschinen, die im Kern noch den Originalzustand darstellen. Ersatzteile, die schon lange nicht mehr lieferbar sind, liegen noch im Magazin parat, für alle Fälle. 2008 wurden für fünf Millionen Euro die Kammern modernisiert und eine neue Windenanlage eingebaut.

Die Fischverarbeitungsmaschinen in der „Fabrik“ sind ebenfalls noch in einem in einem passablen Zustand. Rost sucht man dort vergebens. Fast alle Anlagen bestehen aus Nirosta und sind von der Lebensmittelüberwachung abgenommen. Trotzdem entspricht der größte Trawler der Flotte nicht mehr den heutigen Anforderungen. Zwei Neubauten sollen ihn und die „Baldvin“ (Baujahr 1992) in Kürze ersetzen.

Eine portugiesische Reederei hat die „Kiel“ gekauft und wird sie weiter in der Fischerei einsetzen, freut sich Warrings, der das Schiff als die „Grande Dame der Hochseefischerei“ bezeichnet. Ihre schlanke Form erinnere ihn an eine schöne Frau, schmunzelt der Reederei-Mitarbeiter, der fast ein halbes Jahrhundert Fischereigeschichte hautnah miterlebt hat. Eigentlich könnte er längst seinen Ruhestand genießen. Doch das Geschäft fasziniert ihn, weshalb er dem 30. September, seinem letzten Arbeitstag, mit gemischten Gefühlen entgegensieht.

Auch Gerber gehört mit 74 Jahren zu den letzten Zeitzeugen. Als sich gebürtige Berliner mit 21 Jahren entschloss, dem Ruf „der letzten Wikinger“ in die Hochseefischerei zu folgen, lernte er als Matrose die harte und gefährliche Arbeit auf den Seitenfängern kennen. Mit viel Glück überlebte er 1963 den Untergang der „München“. „Wie in einem Paradies“ habe er sich gefühlt, als er 1973 Steuermann auf der werftneuen „Kiel“ wurde. Fast 45 Jahre später lockt der Standard, auch bei bester Bezahlung, keinen Seemann mehr an Bord.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, haben die isländischen Eigner die Neubauten mit vielen Annehmlichkeiten für die Besatzung ausgestattet. Die besteht heute nur noch aus 35 Mann gegenüber 75 zu Gerbers Zeiten.

Das Hochseefangfabrikschiff „Kiel“ in einem Meer von Netzen.
Das Hochseefangfabrikschiff „Kiel“ in einem Meer von Netzen. Seine Tage unter der Flagge der Deutschen Fischfang-Union sind gezählt. In Kürze soll das 44 Jahre alte Schiff nach Portugal verkauft werden, wo es weiter in der Fischerei eingesetzt wird. Eine Spitzenleistung deutschen Schiffbaus nennen Experten diesen Schiffstyp, von dem neun Stück gebaut worden sind. Fotos: Sassen

 

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Pressebericht in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 25. April 2017

Erinnerungen an eine Kapitänslegende

Förderverein Schifffahrtsgeschichte widmet dem 2010 verstorbenen Reeder Cassen Eils am Mittwoch einen Film-und Vortragsabend

CUXHAVEN. Der „Förderverein Schifffahrtsgeschichte Cuxhaven setzt seine Veranstaltungsreihe „Forummaritim“ fort mit einem Vortragsund Filmabend über die Geschichte der Reederei Cassen Eils. Die Veranstaltung, die letzte vor der Sommerpause, ist für Mittwoch, 26. April, geplant. Beginn um 19.30 Uhr im Havenhostel, Kapitän-Alexander-Straße 16 (7. OG).

Die Reederei Cassen Eils aus Cuxhaven ist die älteste Helgoland-Reederei, gegründet im Juni 1952 von Kapitän Cassen Eils. Das kleine Unternehmen nahm damals mit der MS „Rudolf“, einem gebraucht erworbenen Schiff, als erste Reederei der Nachkriegszeit den Linienverkehr vom Festland zur Hochseeinsel Helgoland auf. Die Reederei entwickelte sich rasch, neue Schiffe kamen hinzu. Grundlage blieb der Seebäderverkehr nach Helgoland, der nicht nur von Cuxhaven, sondern auch von Büsum, Norderney und Sylt aus bedient wurde.

Bekannte Schiffsnamen

Schiffsnamen wie „Atlantis“, „Seute Deern“, „Fair Lady“, „Funny Girl“ und „Flipper“ sind nicht nur jedem Cuxhavener bekannt – die letzten drei der genannten Schiffe sind auch noch aktuell im Dienst. Die Entwicklung der Reederei und des Seebäderverkehrs von Cuxhaven aus sind eng miteinander verbunden. Der Themenabend. Die Persönlichkeit Cassen Eils’, das sei hier auch erwähnt, sich nicht nur auf sein wirtschaftliches Wirken als Chef einer Reederei, sondern bezieht auch seine menschliche Größe ein.

Er war ein Mann, der seine Firma zwar mit starker Hand, aber stets verantwortungsvoll und vorbildlich seinen Mitarbeitern gegenüber führte und entsprechend anerkannt und beliebt war. Nach dem Tode des Reedereigründers im Jahre 2010 wurde das Unternehmen vom Konzernverbund AG Ems übernommen. Es fungiert aktuell weiter eigenständig unter der Bezeichnung Reederei Cassen Eils.

Die AG Ems übernahm nicht nur das Unternehmen, sondern investierte auch zukunftsweisend in die Flotte. Im Jahre 2011 wurde die „Fair Lady“, die lange in Polen gefahren war, zurückgekauft. Ab 2015 wagte die Reederei mit dem Neubau MS „Helgoland“ einen zukunftsweisenden Schritt in den umweltfreundlichen LNG-Antrieb.

Die beiden Eils-Schiffe „Fair Lady“ und „Funny Girl“ auf der Reede von Helgoland.
Die beiden Eils-Schiffe „Fair Lady“ und „Funny Girl“ auf der Reede von Helgoland. Beide Schiffe gehörten zur Flotte der
Reederei Eils und wurden von der Mützelfeldtwerft in Cuxhaven gebaut.
Foto: Mirco Hensel

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Pressebericht von Thomas Sassen in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 19. April 2017

Letzte Reise mit 630 Tonnen Heilbutt

„Kiel“ ist am Ostersonntag von ihrer letzten Fangreise für die DFFU zurückgekehrt / Besatzung übernimmt den Neubau „Cuxhaven“

CUXHAVEN. Der Hochseetrawler „Kiel“, Baujahr 1973, hat seine Schwesterschiffe schon um Jahre und sogar Jahrzehnte überlebt. Doch jetzt will sich die Deutsche Fischfang Union (DFFU) von ihrem vielleicht erfolgreichsten Schiff endgültig trennen. Die Fangquoten werden auf den Neubau „Cuxhaven“ übertragen, der Ende Mai in Norwegen in die Erprobung geht und im September in Cuxhaven getauft wird.

Am Ostersonntag hat die „Kiel“ ihre letzte Fangreise unter der DFFU-Flagge in Cuxhaven beendet. Der Trawler liegt seitdem im Neuen Fischereihafen vor dem Cuxhavener Kühlhaus, wo der Fang – 630 Tonnen Filet vom Schwarzen Heilbutt – nun gelöscht wird.

Die „Kiel“ mit der Fischereinummer NC 105 (für Niedersachsen/Cuxhaven)
Die „Kiel“ mit der Fischereinummer NC 105 (für Niedersachsen/Cuxhaven) ist eines von neun Schiffen, die 1972 und 1973 bei Rickmers und der Unterweser-Werft in Bremerhaven unter der Typnummer H51 gebaut worden waren. Die Qualitäten des 92 Meter langen Trawlers sind legendär. Fotos: Sassen/DFFU

„Es war eine außerordentlich erfolgreiche Reise“, freut sich Uwe Warrings, Leiter des Rechnungswesens bei der DFFU, über das wirtschaftliche Ergebnis, das von der 26-köpfigen Besatzung in 50 Reisetagen erzielt wurde. Am 25. Februar war das Schiff von Hafnarfjördur aus in Richtung ostgrönländische Küste ausgelaufen. Für die Besatzung ist jetzt erst einmal Urlaub angesagt, bis sie auf dem Neubau „Cuxhaven“ für die Erprobungsreise einsteigt. Auf der norwegischen Werft Myklebust in der Nähe von Alesund werden der 80 Meter lange Neubau und das Schwesterschiff „Berlin“ seit einigen Wochen endausgerüstet.

Und was geschieht mit der „Kiel“? Vermutlich wird der Oldtimer noch nicht abgewrackt, sondern dank seines verhältnismäßig guten Zustands an einen anderen Fischereikonzern verkauft, wie Warrings auf Nachfrage erklärte. „Wie es genau weitergeht, wissen wir aber noch nicht. Es ist wie mit dem Wetter bei der Fischerei. Es gibt immer mehrere Pläne. Vielleicht kann die ‚Kiel’ sogar in der Fischerei bleiben“, meinte Warrings, der ein ausgesprochener Fan dieses Methusalems unter den europäischen Fangfabrikschiffen ist.

Zwei im Rentenalter

„Wir haben etwa zur gleichen Zeit bei der Reederei Nordsee angefangen“, schmunzelt Warrings, Er habe immer mit der ‚Kiel’ in den Ruhestand gehen wollen, was ja nun auch so hinkommt. Warrings hatte 1969 in der Abteilung Heuerabrechnung bei der „Nordsee“ angefangen, gleich nachdem das Unternehmen vom Alten Fischereihafen an den Hansakai umgezogen war. Die „Kiel“ lief 1973 bei der Rickmers-Werft in Bremerhaven vom Stapel.

Der zweite DFFU-Neubau, die „Berlin“ soll im Juli 2017 in die Erprobungsphase gehen. Im Gegenzug verkauft die DFFU die „Baldvin“ (gebaut 1992 in Norwegen) nach Polen.

Die neue „Cuxhaven“ wird im Mai in Norwegen in die Erprobung gehen.
Die neue „Cuxhaven“ wird im Mai in Norwegen in die Erprobung
gehen.

Traditionsname „Cuxhaven“

Dieter Kokot und Werner Jakobeit haben sich auf Spurensuche begeben nach Fischereifahrzeugen mit dem Traditionsnamen „Cuxhaven“. Gefunden haben sie neun Schiffe, die sie in der Schriftenreihe des Fördervereins Schifffahrtsgeschichte mit Text und Fotos vorstellen. Erhältlich ist das Heft im Museum Windstärke 10.

 

 

 

 

 

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Pressebericht von Thomas Sassen in der "Cuxhavener Nachrichten" vom 17. februar 2017

Krabbenfischer fordern Geld für neue Schiffe

Hinners: „Küstenfischer unter Artenschutz stellen“

CUXHAVEN. „Die Krabbenfischer müssten unter Artenschutz gestellt werden, genau wie der Schierlingswasserfenchel“, frotzelt Robert Hinners, dann würde man sich über diese aussterbende Spezies vielleicht auch Gedanken machen. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Elbe-Weser-Fischer e.V. geht jetzt in die Offensive, nachdem er und seine Kollegen in der aktuellen Diskussion um die Elbvertiefung vollends hinten runtergefallen sind.

Die Fischer fordern einen Ausgleich für die Fanggründe, die ihnen durch die geplanten Ausbaggerungen verloren gehen. Wenn sie ihrem Beruf weiter nachgehen wollen, brauchen sie größere Schiffe, mit denen eine Fischerei auch außerhalb des Flusses in tieferen Gewässern vor der Küste möglich ist. Ihre kleinen, oft noch hölzernen Fahrzeuge von 16 bis 18 Meter Länge seien dafür nicht geeignet. Sie sind nicht seetüchtig genug, erklärt der Sprecher.

Einen Fonds fordert Hinners deshalb, in den die Länder Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein insgesamt rund 50 Millionen Euro einzahlen sollen. Von dem Geld ließe sich ein Neubauprogramm auflegen, das den Betrieben trotz Flussvertiefung eine Zukunft ermögliche.

Die derzeitige Politik ignoriere die Interessen der Flussfischerei, die mit der Vertiefung von Weser und Elbe und dem Ausbau der Offshore-Windparks unter die Räder gekommen seien. Wo sich heute Generatoren im Windpark Nordergründe drehen, um Strom zu erzeugen, haben vorher Kutter aus den Weser- und Elbehäfen gefischt. Jetzt sind sie ausgesperrt – ohne Kompensation. Dabei mache die Branche allein in Niedersachsen einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro und sichere einige Hundert Arbeitsplätze an der Küste.

Anfangs habe man sich im Verfahren mit den Umweltschützern verbrüdert, die die abermalige Vertiefung der Elbe mit ähnlichen Argumenten verhindern wollten, wie die Fischer. Inzwischen gehe es vor dem Oberverwaltungsgericht in Leipzig aber offenbar nur noch um den Naturausgleich (Stichwort Schierlingswasserfenchel) und nicht mehr um die Fischerei, kritisiert Hinners.

Und das, obwohl die Krabbenfischer unmittelbar von der Vertiefung betroffen seien und Existenzen dadurch direkt gefährdet würden, ärgert sich Hinners. Er selber fischt zwar nicht mehr, hat seinen Kutter „Goedeke Michel“ aber vor Jahren an seinen Sohn Thorben übergeben, der das Geschäft weiterführt. Für die Interessen der Krabbenfischer kämpft Hinners weiter. „Einer muss das ja tun“, meint der 70-Jährige.

Medemrinne fällt weg

Große Stahlkutter wie die „Gretha Johanna“ (NC 304, 23,5 Meter), sind an der holländischen Küste üblich. Um vor der Elbe fischen zu können, bräuchten die deutschen Krabbenfischer ähnlich große Schiffe
Große Stahlkutter wie die „Gretha Johanna“ (NC 304, 23,5 Meter),
sind an der holländischen Küste üblich. Um vor der Elbe fischen zu
können, bräuchten die deutschen Krabbenfischer
ähnlich große Schiffe. Fotos: Sassen

Alle Elbfischer würden die Auswirkungen einer Fahrrinnenvertiefung um rund 1,5 Meter unmittelbar zu spüren bekommen. Denn mit dem gleichzeitig geplanten Verbau der Medemrinne gegenüber von Otterndorf und dem Verklappen von Baggergut auf dem Neuen Lüchtergrund gegenüber von Neuwerk fielen zwei der wichtigsten Fanggründe weg. Die Beeinträchtigungen während der zweijährigen Baumaßnahme kämen noch erschwerend hinzu. Genau dort werfen die kleinen hölzernen Kutter bei schlechtem Wetter ihre Netze aus, wenn sie weiter draußen nicht mehr fischen können, weil Wind und Seegang zu stark sind.

Dabei sei die Fischerei mit den kleinen Fahrzeugen schon heute aufgrund gestiegener Strömungsgeschwindigkeit gefährlich genug. Die Fischer hätten höllische Angst davor, dass sich ihre Netze beim Schleppen mit dem Strom an Untiefen verhaken und die Kutter querschlagen und kentern könnten. Die Gefahr sei mit den Jahren immer größer geworden, was Hinners und seine Kollegen auf die letzten Fahrwasservertiefungen zurückführen.

Von modernen Stahlkuttern von gut 20 Metern Länge, wie sie an der holländischen und dänischen Küste weitverbreitet sind, können die Cuxhavener Krabbenfischer aber nur träumen. Solche Fahrzeuge kosten zwischen 500 000 und 1,5 Millionen Euro, je nach Alter und Ausrüstung. Eine Finanzierung sei utopisch, weil die alten Fahrzeuge vor dem Hintergrund der unsicheren Perspektiven der Krabbenfischerei nur schwer zu verkaufen seien und damit der Kapitalgrundstock für ein neues Schiff fehle.

Hilfe von den Ländern

Daher könne die Flotte nur mit Unterstützung der Länder modernisiert werden, ist sich Hinners sicher. Vor dem Hintergrund der ansonsten gezahlten Ausgleichsmaßnahmen sei diese Forderung mehr als berechtigt. Als Vergleich führt Hinners die Absicherung der Obstbauern im Alten Land an, denen – so weit bekannt – 50 Millionen Euro zuerkannt werden, sollte sich eine zunehmende Versalzung (durch die Vertiefung) negativ auf das Grundwasser auswirken.

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